Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (344) zum 19. Sonntag nach Trinitatis
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00:00:00: An Nacht für den neunzehn Sonntag nach Trinitatis.
00:00:05: Reformen sind nötig Darin sind sich viele Menschen einig.
00:00:10: Die Rente muss reformiert werden, das Gesundheitswesen die Pflege überhaupt der Staat und die Bürokratie vielleicht auch die Kirche.
00:00:19: Und fast überall hören wir so wie bisher kann es doch nicht weitergehen.
00:00:24: Aber dann wird es konkret.
00:00:26: Dann kostet die Reform Geld oder sie verändert lieb gewordene Gewohnheiten.
00:00:32: Manchmal betrifft sie den eigenen Arbeitsplatz, die eigene Rente ,die eigene Förderung, den eigenen Vorteil und plötzlich klingt Reform gar nicht mehr so gut.
00:00:43: Reformen ja aber möglichst bei den anderen.
00:00:47: Das ist wahrscheinlich sehr menschlich.
00:00:50: Wir sehen ziemlich schnell was sich in unserer Gesellschaft verändern müsste.
00:00:54: Wir wissen oft auch, was andere Menschen anders machen sollten.
00:00:57: Schwieriger wird es bei der Frage – Was müsste sich eigentlich bei mir verändern?
00:01:03: Genau diese Frage stellt ein Abschnitt aus dem neuen Testament erstaunlich direkt!
00:01:09: Der steht im Epheser-Brief.
00:01:11: Dort heißt es sinngemäß Leg den alten Menschen ab und zieht den neuen Menschen an.
00:01:17: Das funktioniert zunächst fast wie eine komplette Lebensreform Und dann wird der Text sehr konkret, legt die Lüge ab und sagt die Wahrheit.
00:01:26: Wenn ihr Zornig seid, dann lasst diesen Zorn nicht euer Leben bestimmen!
00:01:31: Wer anderen etwas weggenommen hat soll damit aufhören und lieber so leben dass er anderen etwas geben kann.
00:01:37: Und achtet auf eure Worte, redet nicht so das sie anders verletzt oder herunterzieht sondern so dass eure Wörter hilfreich
00:01:45: sind.".
00:01:46: Bitterkeit, Wut, Geschreien, Bosheit soll nicht das Leben bestimmen.
00:01:51: Und schließlich seid freundlich miteinander, habt ein Herz voreinander und vor allem vergebt
00:01:57: einander.".
00:01:59: Das ist alles ziemlich konkret!
00:02:01: Da können wir uns nicht so einfach wegdrucken und sagen ja was heißt denn dass den neuen Menschen anziehen?
00:02:07: Denn hier steht nicht die Regierung die da oben die müssen sich mal ändern oder die Gesellschaft muss sich.
00:02:15: Kirche soll sich ändern, und mein Nachbar der erst recht.
00:02:19: Sondern hier steht du!
00:02:22: Leg den alten Menschen ab.
00:02:24: Wahrscheinlich ist das die schwierigste Reform überhaupt, denn eine rentene Form kann ich kritisieren.
00:02:30: Über eine Gesundheitsreform kann ich schimpfen.
00:02:33: Bei einer Verwaltungsreform können wir erklären was die anderen falsch machen – aber was ist mit meinen eigenen Gewohnheiten?
00:02:40: Mit meiner Art zu reden, mit meinem Zorn, mit meiner Rechthaberei.
00:02:45: Mit meiner Fähigkeit oder Unfähigkeit zu vergeben.
00:02:49: Da wird es plötzlich ganz persönlich und vielleicht entsteht sofort Widerstand.
00:02:54: Soll ich das alles schaffen?
00:02:56: Immer freundlich sein, nie wütend werden, immer die Wahrheit sagen – immer vergeben!
00:03:03: Wer kann denn so
00:03:04: leben?!
00:03:05: Aber wenn man genauer hinsieht beginnt der Text ja nicht mit einer
00:03:09: Forderung.".
00:03:10: Er sagt zuerst, ihr habt Christus kennengelernt.
00:03:14: Das heißt der christliche Glaube beginnt nicht mit dem Satz du musst endlich ein besserer Mensch werden sondern mit der Erfahrung Du bist von Gott angenommen.
00:03:24: Du bist geliebt und darum kannst du neu anfangen Und deshalb kann sich etwas verändern.
00:03:30: das ist ein entscheidender Unterschied.
00:03:32: christliche Form bedeutet Nicht selbstoptimierung.
00:03:37: Ich muss mich immer weiter verbessern, bis ich endlich gut genug bin.
00:03:41: Sondern... ...ich bin schon gut genug weil ich mich von Gott angenommen weiß kann ich ehrlich auf mein Leben schauen!
00:03:49: Ich muss nichts zu tun als wäre alles in Ordnung und ich kann fragen was gehört eigentlich bei mir zum alten Menschen?
00:03:57: Vielleicht die Angewohnheit über andere schlechtzureden?
00:04:00: vielleicht die kleine Unwahrheit die mich selbst besser aussehen lässt?
00:04:04: Vielleicht eine Kränkung, die ich seit Jahren mit mir herumtrage.
00:04:07: Vielleicht der Zorn auf einen Menschen, den ich jeden Tag neu
00:04:10: nähe.".
00:04:11: Der FS-Brief sagt ein Bemerkenswertensatz – Lass die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen!
00:04:18: Das heißt nicht du darfst niemals wütend sein.
00:04:22: Natürlich darf ich wütends sein wenn mir unrecht geschieht, wenn andere schlecht behandelt werden und etwas falsch läuft.
00:04:29: Aber der Zorren soll nicht mein Zuhause werden….
00:04:32: Ich soll ihn nicht dauerhaft ein Zimmer in meinem Leben einrichten, ihn ich jeden Abend mit ins Bett nehmen und morgens wieder mit ihm
00:04:40: aufstehen.".
00:04:41: Und dann sagt der Text noch etwas das heute fast erschreckend aktuell klingt.
00:04:46: Achte darauf wie ihr miteinander redet!
00:04:50: Wir erleben täglich wie schnell Sprache verletzend wird im Internet, in sozialen Netzwerken, in politischen Debatten am Arbeitsplatz – manchmal auch in unseren Familien.
00:05:01: und natürlich auch in der Kirche.
00:05:04: Menschen werden da nicht nur kritisiert, sie werden abgewertet, lächerlich gemacht, beschimpft oder in eine Schublade
00:05:11: gesteckt.".
00:05:12: Und der FSS-Brief sagt,"Rieh das so, dass dein Wort dem anderen gut
00:05:16: tut!".
00:05:17: Es bedeutet nichts sagt immer etwas Nettes!
00:05:20: Es bedeutet auch Nicht vermeide alle Konflikte!
00:05:24: Sondern vergiss auch im Streit nicht, der andere bleibt ein Mensch... Vielleicht wäre das eine Reform, die wir tatsächlich dringend brauchen.
00:05:33: Und zwar nicht nur die Gesellschaft, Nicht nur die Politik und die da oben – nicht nur den sozialen Medien Sondern ich selbst!
00:05:42: Wie rede ich über Menschen, die anderen Meinungen sind?
00:05:45: Wie rede Ich über jemanden der mich verletzt hat?
00:05:48: Wie redet ich wenn der Betreffende nicht im Raum ist?
00:05:51: Das sind unangenehme Fragen Aber vielleicht sind genau das die Fragen und die Reformfragen des FSS-Briefes Denn wirkliche Veränderung beginnt nicht mit großen Programmen.
00:06:02: Sie beginnt mit einem Menschen, mit mir.
00:06:06: Manchmal auch nur mit einem Satz – es tut mir leid.
00:06:10: Vielleicht mit einem Telefonat?
00:06:12: Lass uns noch einmal miteinander reden!
00:06:15: Vielleicht damit dass ich aufhöre eine alte Geschichte immer wieder neu hervor zu holen und vielleicht mit dem Satz Ich möchte dir vergeben Der FS-Abrief nennt das den neuen Menschen anziehen Nicht einmal im Leben und dann ist alles zu erledigt, sondern immer wieder.
00:06:34: Vielleicht jeden Morgen neu!
00:06:36: Und am Ende steht der eigentliche Maßstab für diese Reform lebt in der Liebe.
00:06:42: Nicht sei vollkommen – nicht mache niemals einen Fehler, sondern orientiere dich an der Liebe die du selbst von Gott empfängst.
00:06:51: Vielleicht sollten wir deshalb wenn irgendwie von der Reform die Rede ist, nicht nur fragen was müssen die anderen ändern Was muss die Regierung ändern, was muss Kirche endlich ändern?
00:07:03: und wie muss ich mein Nachbar ändern?
00:07:05: Sondern auch – wo wäre eigentlich meine Reform nötig.
00:07:09: Was müsste Ich ablegen, welche Gewohnheit, welche Härte, welchen Zorn, welches verletzende Wort?
00:07:18: Vielleicht ist diese persönliche Reform zugleich die schwierigste denn bei mir kann ich die Kosten nicht einfach anderen überlassen.
00:07:26: sie betrifft mich selbst Aber genau darin liegt auch eine große Freiheit.
00:07:31: Ich bin nicht dazu verdammt zu, zu bleiben wie ich bin – Veränderung ist immer möglich und zwar nicht weil ich alles als eigener Kraft schaffen muss sondern weil Gott mir immer wieder einen neuen Anfang zutraut.
00:07:45: vielleicht beginnt Reform genau da!
00:07:49: Ein gesegnene Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.
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