Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (239) zum 15. Sonntag nach Trinitatis 2026
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00:00:00: Andacht für den fünften Sonntag nach Trinitatis.
00:00:05: Das Paradies Wie stellen Sie sich das vor?
00:00:09: Palmen, Sonne, ein Liegestuhl am Meer Keine Termine keine Sorgen und möglich ist natürlich auch keine Arbeit.
00:00:18: Die Bibel hat eine kleine Überraschung Denn als der Mensch ins Paradies kommt bekommt er nicht zuerst seine Hängematte Er bekommt Arbeit aber dazu gleich mehr.
00:00:28: Zunächst eine kleine Geschichte.
00:00:31: Ein Facher geht durch seinen Dorf und kommt an einen wunderschön angelegten Garten vorbei, alles blüht die Beete sind gepflegt Obstbäube stehen da und mittendrin arbeitet der Besitzer Und der Facher bleibt stehen.
00:00:45: uns sagt voller Bewunderung Das ist ja wie im Paradies.
00:00:49: Da hat ihn der Herrgott aber ein herrlichen Ort geschenkt und wunderbare Blumen und Pflanzen wachsen lassen.
00:00:56: Der Gärtner schaut nur kurz auf und knurrt Ja, aber sie hatten den Garten mal sehen sollen als ihn der Herrgott noch ganz allein bewirtschaftet hat.
00:01:05: Wer ein Garten hat versteht die Porankte sofort.
00:01:09: Ein schöner Garten macht Arbeit!
00:01:11: Der wird gepflanzt gegossen geschnitten und gejätet.
00:01:14: Man kämpft mit Schnecken und Würmeusen Mit Trockenheit wie in diesem Jahr oder Pflanzenkrankheiten.
00:01:20: Und trotzdem wenn alles blüht Wenn die ersten Früchte reib sind Wenn man abends unter einem Baum sitzt dann kann man schon denken So ein kleines Stück Paradies, das hat etwas.
00:01:32: Genau dieses Bild vom Garten steht ganz am Anfang der Bibel.
00:01:35: Dort wird erzählt – Da machte Gott, er hat den Menschen aus Erde vom Acker und bließ ihm den Odem des Lebens in seine Nase.
00:01:43: Und so war der Mensch ein lebendiges Wesen.
00:01:47: Und Gott, der Hab pflanze einen Garten in Eden gen Osten hin und setzte ihn den Menschen hinein, den er gemacht
00:01:53: hatte.".
00:01:55: Gott der Herr nahm den Menschen und setzt sie in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
00:02:01: Da ist er also der Mensch im Paradies!
00:02:04: Aber eben nicht zu nichts tun – Er soll bebau'n und
00:02:07: bewahren.".
00:02:09: Das ist ein bemerkenswerter Gedanke….
00:02:12: Die Menschen die diese alte Geschichte erzählt haben wollten keine naturwissenschaftliche Erklärung liefern wie die Welt entstanden ist ….
00:02:20: Sie wollten etwas anders sagen….
00:02:22: Schaut euch dieser Welt an Schaut, was wächst, welche Farben es gibt.
00:02:26: Welche Früchte, welche Gerüche?
00:02:29: Welche unglaubliche Fülle am Leben?
00:02:32: Gerade jetzt am Ende des Sommer und am Beginn des Herbstes kann man das besonders erleben.
00:02:37: Äpfel werden reif, Tomaten leuchten rot Blumen zeigen noch einmal ihre Farben, Kräuter duften Und morgen nicht Volkigkeit auf den Plättern.
00:02:48: Manchmal steht man einfach davor und staunt Wir Menschen können viel Aber das Leben selbst können wir nicht machen.
00:02:56: Wir können Pflanzen und Pflegen gute Bedingungen schaffen, aber wachsen?
00:03:01: Das muss es selbst!
00:03:03: Vielleicht ist das eine gute Erinnerung daran, dass wir diese Welt nicht einfach besitzen – sie ist uns anvertraut und deshalb gehört zum Bebauern immer auch das Bewahren.
00:03:13: Wir wissen ja, wie verletzlich dieser große Garten Erde ist.
00:03:18: Wir nutzen Rohstoffe, wir verändern Landschaften, wir belasten Böden und Gewässer und wir erleben, wie stark der Mensch inzwischen auch das Klima beeinflusst.
00:03:28: Und darum klingt die so uralte Satz aus der Bibel plötzlich modern – bebauen und bewahren.
00:03:34: nicht nur benutzen oder verbrauchen sondern bewahren für uns, für unser Kinder- und Enkel und für die Generationen nach uns.
00:03:44: Doch der Garten ist noch mehr!
00:03:46: Er ist ein Sehnsuchtsort, vielleicht kennen sie das eine Bank unter einem Baum Eine ruhige Ecke hinter einer Hecke, Blumen, Kräuter Schmetterlinge und Bienen.
00:03:57: Für einen Moment ist der Lärm weit weg.
00:04:00: Man sitzt da und spürt hier kann ich zur Ruhe kommen.
00:04:04: Vielleicht sehen wir um Menschen uns genau danach nach einem Ort an dem die Welt einmal in Ordnung ist ein Stück Heilerwelt Nach einem Stück Paradies.
00:04:14: Aber wir wissen auch im schönsten Garten bleibt nicht alles heil.
00:04:19: Es kommen die Schnecken und Blattläuse, dann bleibt der Regen aus.
00:04:23: Der Sturm bricht ein Ast ab.
00:04:25: Blumen verblühen Bäume werden alt und stützen um.
00:04:29: Im Herbst fallen die Blätter Und plötzlich wird der Garten sein Bild für unser eigenes Leben Auch wir können vieles gestalten Beziehungen pflegen Wir können etwas aufbauen füreinander da sein.
00:04:43: Wir können Frieden schaffen Aber so gern wie das möchten.
00:04:47: Wir können unser Leben nicht dauerhaft in ein Paradies verwandeln.
00:04:52: Es gibt Abschiede, Scheitern, Krankheit und es gibt den Tod.
00:04:57: Ganz paradiesisch wird es bei uns nicht Und vielleicht ist das sogar eine Entlastung Denn wir müssen das Paradies nicht herstellen!
00:05:05: Wir sollen unsere Welt gestalten, wir sollen bebau'n und bewahren – wir möchten viel dafür tun dass etwas von Friedengerechtigkeit und Menschlichkeit sichtbar wird.
00:05:17: Aber wir brauchen nichts zu tun, als läge alles nur an uns.
00:05:20: Nach christlicher Hoffnung hängt die Zukunft nicht nur an unserer Kraft.
00:05:25: Vielleicht ist es kein Zufall dass der Garten in der Bibel immer wieder auftaucht?
00:05:30: Am Anfang der Garteneden.
00:05:32: Später betet Jesus im Garten Gezema Nehe und auch die Ostergeschichte spielt in einem Garten.
00:05:38: Maria begegnet dort dem Auferstand den Jesus und hält ihn so erst sogar für den Gärtner.
00:05:44: Ist ein schönes Bild!
00:05:46: Am Anfang steht ein Garten, am Ende steht die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.
00:05:53: Der Garten wird so zu einem Bild der Hoffnung Erinnert uns daran woher wir kommen und wohin wir unterwegs sind.
00:06:01: Allerdings ist das mit unserer Sehnsucht nach dem Paradies eben manchmal ein bisschen merkwürdig.
00:06:07: Wir lieben offensichtliche Vorstellung vom Garten manchmal mehr als die Gartenerbeit selbst Und in den Zeitschriften sehen wir traumhafte Bilder, alte Häuser, blühende Gärten, Kräuterbete, Ofsbäume und gemütliche Terrassen.
00:06:23: Und gleichzeitig hängen einen vielen Kleingartenanlagen-Shelter, Garten abzugeben – die Sehnsucht ist groß, die Arbeit schon weniger!
00:06:33: Vielleicht suchen mir Menschen das Paradies dann manchmal woanders?
00:06:36: Auf einer Insel, in einem Land wo eigentlich immer die Sonne scheint oder in Kanada oder Schweden… Am Meer.
00:06:44: Möglichst weit weg von allem, aber irgendwann stellt man fest auch unter Palmen gibt es Rechnung.
00:06:51: Auch in der Einsamkeit muss man den Winter überstehen und egal wie weit wir reisen uns selbst nehmen wir mit.
00:06:59: Das Paradies findet man nicht einfach durch einen Ortswechsel Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Aussage dieser alten Geschichte Gottes neue Welt ist uns hier genauso nah oder fern wie am Nordcup auf den Fitschi-Inseln oder irgendwo in Kanada.
00:07:17: Wir können überall bebauen und bewahren etwas gestalten, wir können überall ein Stück Frieden schaffen – aber wir müssen das Paradies nicht selbst erfinden!
00:07:28: Wenn es bald wieder die Blätter fallen und die Natur sich verändert sehen wir noch alles.
00:07:33: Nicht alles bleibt, manches vergeht und verschwindet… Und trotzdem wissen wir nach dem Winter kommt wieder neues Leben zum
00:07:42: Vorschein.".
00:07:43: Vielleicht können wir da etwas für unser eigenes Leben lernen.
00:07:47: Wir dürfen unserem schönen freuen, wir dürfen Pflanzen gestalten und bewahren.
00:07:53: Aber uns auch daran erinnern – Unser kleiner Garten ist nicht die ganze Welt!
00:07:58: Das gilt übrigens auch für die Kirche.
00:08:01: Kirche ist keine Insel der Seelichen.
00:08:03: Kein Ort nach dem Motto «Hier drin machen wir uns so schön», draußen soll jeder selbst sehen wie er zurechtkommt….
00:08:10: Daher müssen wir hinaus zu den Menschen, zu ihren Fragen, Sorgen und Sehnsüchten.
00:08:16: Und von einer Hoffnung erzählen die Himmel-und Erde miteinander verbindet.
00:08:22: Wir kommen aus dem Paradies, erzählen der alten Geschichten der Bibel.
00:08:27: Dazwischen leben wir!
00:08:29: Pflanzen und Ernten erleben Plühen und Verwelten.
00:08:32: Wir freuen uns – wir trauern.
00:08:35: Wir bewahren und
00:08:37: bebauen.".
00:08:38: und manchmal sitzen wir vielleicht in einem Garten, halten einen Apfel in der Hand riechen an einer Blumen oder schauen einfach nur durch die Zweige in den Himmel.
00:08:47: Und für ein Augenblick ahnen wir das Paradies ist nicht das was wir uns mit aller Kraft selber bauen müssen.
00:08:54: es ist ein Versprechen!
00:08:56: Und gerade deshalb lohnt es sich hier und heute schon davon etwas sichtbar werden zu lassen.
00:09:02: also weiter pflanzen weiter bewahren weiter hoffen Denn manchmal beginnt das Paradies vielleicht genau damit, mitten in unserem ganz normalen Leben.
00:09:15: Ein gesegnetes Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.
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