Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (237) zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2026

Transkript anzeigen

00:00:00: Annacht für den dreizehnten Sonntag nach Tinnitatis.

00:00:04: Stellen Sie sich die Ausgabestelle einer Tafel vor.

00:00:07: Menschen werden auf gespendete Lebensmittel, viele erhalten eine gefüllte Tasche und gehen nach Hause – doch eine bestimmte Gruppe steht am Ende immer mit leeren Händen da.

00:00:18: Menschen, die vielleicht eine andere Sprache sprechen oder mit dem Abläuf nicht vertraut sind.

00:00:24: Vielleicht hat niemand ausdrücklich beschlossen sie auszuschließen?

00:00:28: Möglicherweise wurden neue Abholzeiten nur auf Deutsch bekannt gegeben, vielleicht stimmen die Listen nicht oder bestimmte Informationen erreichen immer nur diejenigen, die schon lange dazugehören.

00:00:41: Und niemand sagt offen ihr sollt nichts bekommen.

00:00:44: und trotzdem sind es am Ende immer dieselben die Lehr ausgehen.

00:00:48: Irgendwann fragt eine der betroffenen Frauen warum werden wir immer ständig übersehen?

00:00:54: In diesem Moment geht es nicht mehr um eine vielleicht nur schlecht organisierte Ausgabe.

00:00:59: Es geht um Gerechtigkeit, denn ob Menschen absichtlich ausgeschlossen oder einfach nicht mitgedacht werden macht für die Betroffenen zunächst kaum einen Unterschied – sie sehen für die anderen ist gesorgt und für uns nicht.

00:01:14: Solche Situation gibt es nicht nur bei der Verteilung von Lebensmitteln.

00:01:18: In einem Betrieb werden Fortbildungen Aufstiegsmöglichkeiten angeboten Doch die Informationen erreiche hauptsächlich die Menschen in den Büros.

00:01:27: Die beschäftigt dem Schichtdienst, die Reinigungskräfte erfahren entweder zu spät davon oder gar nichts davon.

00:01:35: Oder in einem Verein werden wichtige Dinge in einer privaten WhatsApp-Gruppe besprochen – wer schon lange dazugehört ist gut informiert und kann mitentscheiden.

00:01:45: Neue Mitglieder merken erst später dass die eigentliche Entscheidungen längst gefallen

00:01:49: sind.".

00:01:51: In einer Schule werden Unterstützungsangebote über ein digitales Elternportal bekannt gegeben.

00:01:57: Die meisten Familien können gut darauf zugreifen, aber Eltern die Schwierigkeiten mit der Technik haben verpassen Fristen und Kinder halten am Ende nicht das was ihnen zugestanden hätte.

00:02:10: Man muss also nicht völlig mittellos sein um übersehen zu werden.

00:02:15: Menschen werden auch von Informationen Anerkennung Beteiligung und Chancen ausgeschlossen.

00:02:22: Ganz ähnlich beginnt eine Geschichte aus der Apostelgeschichte, die erste christliche Gemeinde wächst – immer mehr Menschen kommen dazu!

00:02:31: Das klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte aber mit dem Wachstum entstehen Spannungen.

00:02:37: in der Gemeinde leben Menschen mit untertätigen Sprachen und kulturellen Hintergründen.

00:02:42: das sind die Hebräisch-Sprechenden.

00:02:47: und ausgerechnet die Witwen der kliengesprechenden Gruppe werden bei der täglichen Versorgung übersehen.

00:02:54: Und Witwen, das war damals eine besonders gefährdete Gruppe!

00:02:59: Es gab ja keine gesetzliche Rente, keine Pflegeversicherung, keine staatliche Grundsicherung.

00:03:05: Wer kein Mann und keine Familie mehr hatte, konnte schnell in bitterer Armut geraten.

00:03:11: Die tägliche Versorgungen waren deshalb keine freundliche Zugabe – es war

00:03:15: überlebenswichtig.".

00:03:18: Die Bibel sagte auch nicht, dass die Witwen absichtlich ausgeschlossen wurden.

00:03:22: Vielleicht war die Gemeinde einfach zu schnell gewachsen?

00:03:25: Vielleicht fehlte eine klare Zuständigkeit oder es wurden zuerst diejenigen wahrgenommen, die dieselbe Sprache sprachen, zu dem Vertrautenkreis gehörten.

00:03:35: Aber ob Absicht oder Nicht – das Ergebnis war derselbe!

00:03:39: Die einen bekamen was sie brauchten und die anderen gingen leer

00:03:43: aus.".

00:03:44: Damit sind wir bei der Frage Wer verdient eigentlich unsere Hilfe?

00:03:49: Wir stellen uns die Frage oft, manchmal ohne es zu merken.

00:03:54: Gibt der Obdachlose sein Geld dann vielleicht nur für Alkohol aus?

00:03:58: Hätte die Familie nicht besser wirtschaften müssen?

00:04:01: Warum hat die Frau nicht früher einen Antrag gestellt?

00:04:05: Warum arbeitet er Geflüchtete nicht?

00:04:07: Warum kümmert sich die eigenen Kinder nicht um ihren Vater?

00:04:12: Hinter solchen Fragen steckt manchmal eine berechtigte Suche nach Verantwortung und auch Gerechtigkeit.

00:04:19: Manchmal dienen sie auch nur dazu, um Abstand zu halten.

00:04:23: Wenn ich einen Grund finde warum jemand seine Lage selbst verschuldet hat dann muss ich mich ja nicht mehr zuständig

00:04:30: fühlen.".

00:04:31: Die Bibel stellt die Frage anders.

00:04:33: Sie fragt nicht zuerst Hat dieser Mensch meine Hilfe verdient?

00:04:41: und was kann ich tun, damit er nicht übersehen

00:04:44: wird?".

00:04:45: Jesus erzählt an einer anderen Stelle die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

00:04:51: Auch dort geht es um die Frage Wer ist denn mein Nächster der Hilfe braucht?

00:04:56: Und je?

00:04:56: so Antwort lautet sinngemäß nicht.

00:04:59: Erstelle eine Liste von Menschen für die du zuständig bist.

00:05:03: Seine Antwort lautete Werdet du dem Menschen zum nächsten der deine Hilfe braucht?

00:05:10: Der Nächste muss also nicht zu meiner Familie gehören.

00:05:13: Er muss auch nicht meine politische Meinung teilen, er muss auf dich das meinem Land kommen, meine Sprache sprechen oder ein Mensch sein der so lebt wie ich es verrichtig halte.

00:05:24: Näher entsteht dort wo ich mich von der Not eines anderen Menschen berühren lasse.

00:05:30: Das bedeutet nicht dass ein einzelner Mensch allen helfen kann.

00:05:34: Wer versucht jedem not allein zu tragen wird bald erschöpft sein.

00:05:38: Auch das zeigt die Geschichte.

00:05:41: Die zwölf Apostels sagen in dem Bibeltext nicht einfach, wir müssen uns noch mehr anstrengen.

00:05:46: Sondern sie rufen die Gemeinde zusammen, Sie sprechen das Problem offen an und verteilen die Verantwortung neu.

00:05:54: Sieben Menschen werden ausgewählt, die einen guten Ruf haben und als geistvoll und weißer gelten – Das ist bemerkenswert!

00:06:03: Für die praktische Versorgung der Gemeinde sucht die Gemeine nicht irgendwelche Hilfskräfte.

00:06:09: Sie sucht vertrauenswürdige, kluge und geistig reife Menschen.

00:06:13: Den Essen verteilen, bedürftige wahrzunehmen – das ist kein Dienst zweiter Klasse, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe.

00:06:22: Die Namen der sieben Männer sind übrigens griechisch!

00:06:25: Und vieles spricht dafür, dass sich die Lebenswelt der bisher übersehenden Gruppe besonders gut kannten.

00:06:33: Ja, die Betroffenen werden also nicht nur jetzt versorgt sondern Menschen aus ihrem Unfeld erhalten Verantwortung und Stimme.

00:06:41: Auch das ist bis heute wichtig, wenn wir etwas von Menschen tun wollen sollten wir nicht nur über sie sprechen – wir sollten mit ihnen sprechen!

00:06:50: Wer armut bekämpfen will muss Menschen zuhören die mit wenig Geld leben.

00:06:54: Wer barrieren abbauen will, muss Menschen mit Behinderung an der Planung beteiligen.

00:06:59: Wer über Jugendliche spricht sollte auch Jugendliche fragen.

00:07:03: Hilfe braucht Mitgefühl aber Mitgefühle allein genügt oft nicht?

00:07:09: Hilfe braucht auch gute Strukturen.

00:07:12: Es reicht nicht gelegentlich der älteren Nachbarin die Einkaufstasche zu tragen, wenn sie dauerhaft einsam und ohne Unterstützung lebt.

00:07:20: Es reicht nicht einmal für die Tafel zu spenden, wenn Menschen regelmäßig durch die Maschen unserer sozialen Netzes fallen.

00:07:27: Und es reicht nicht betroffen zu sein, wenn wir immer wieder dieselben Menschen übersehen!

00:07:33: Die erste Gemeinde tut deshalb drei Dinge….

00:07:36: Sie hört auf das Murren, sie nimmt die Nachteiligung ernst und sie verändert die Organisation.

00:07:45: Vielleicht liegt darin eine sehr aktuelle Botschaft?

00:07:48: Beschwerden sind nicht immer lästig.

00:07:51: Manchmal zeigen sie uns was wir selbst nichts sehen.

00:07:55: Wir können zwar den Satz sagen bei uns ist doch jeder willkommen aber es hilft wenig wenn Menschen trotzdem keinen Zugang finden.

00:08:04: Gute Absichten sind wichtig, aber entscheiden ist was bei den Menschen tatsächlich ankommt.

00:08:10: Die Geschichte endet mit dem Satz und das Wort Gottes breitete sich aus.

00:08:15: Das Wort Gottes bereitet sich nicht nur durch Predigten aus – ja es wird gerade an Glaubwürdigkeit weil eine Gemeinde einen Missstand erkennt und handelt.

00:08:25: Gebeten und praktische Hilfe werden nicht gegeneinander ausgespielt.

00:08:29: beides gehört zusammen.

00:08:32: Vielleicht können wir uns in der Woche drei einfache Fragen stellen, wen übersehe ich?

00:08:37: weil er nicht zu meinem vertrauten Kreis gehört.

00:08:40: Wo erkläre ich mich für nicht zuständig obwohl ich helfen könnte und wo reicht meine persönliche Hilfsbereitschaft dicht aus so dass wir insgesamt bessere Strukturen schaffen müssen?

00:08:53: Unser Nächster ist also nicht nur der Mensch der uns nahesteht.

00:08:58: unser nächster kann genau der Mensch sein den es uns niemand wahrnimmt.

00:09:03: Wir können nicht jede Not beseitigen, aber wir können hinsehen.

00:09:08: Wir können zuhören!

00:09:09: Wir können Verantwortung teilen und wir können dafür sorgen dass wenigstens dort wo wir leben arbeiten und entscheiden nicht immer dieselben Menschen übersehen werden.

00:09:20: Vielleicht beginnt Nächstenliebe genau damit Nicht zuerst zu fragen wer unsere Hilfe verdient sondern zu erkennen wer sie braucht.

00:09:29: Ein gesegnet Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.