Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (335) zum 11. Sonntag nach Trinitatis
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00:00:00: An Nacht für den elften Sonntag nach Trinitatis.
00:00:04: Mögen Sie Western?
00:00:07: In manchen Fernsehsendern gehören sie heute fest zum Programm, Geschichten aus dem wilden Westen von mutigen Cowboys, zwielichtlichen Revolver-Helden, tapferen Frauen in einem Schärf, der mit entscheidenden Augenblick verrecht und ordnungssorgt.
00:00:23: Manchen wird dabei zu viel geschossen und die Geschichten sind so geführvoll!
00:00:27: Aber viele klassische Western haben einen großen Vorteil.
00:00:31: Man muss nicht lange darüber nachdenken, wer gut und wer böse ist – die Rollen sind klar verteilt!
00:00:37: Denn oft genügt schon ein Blick auf den Hut….
00:00:40: Wer einen hellen Hut trägt gehört zu den Guten ….
00:00:43: Wer einen schwarzen Hut hat der ist verdächtig Und wenn ausgerechnet der Schärf mit einem dunklen Hut auftritt merkt man, mit dem stimmt doch etwas nicht.
00:00:53: Das ist angenehm und übersichtlich.
00:00:55: Die Fronten sind geklärt, wir wissen mit wem wir mitfiebern sollen und wer am Ende zur Rechenschaft gezogen werden muss.
00:01:03: Im wirklichen Leben ist es allerdings komplizierter.
00:01:06: Trotzdem verteilen auch wir ständig helle und dunkle Hüte – Wir ordnen Menschen ein anständig oder uneinständig vernünftig oder verantwortungslos fleißig oder faul vertrauenswürdig oder gefährlich.
00:01:21: Das geschieht heute besonders schnell Ein Satz in einer Talkshow, ein Foto in den sozialen Medien, eine ungeschickte Bemerkung und schon ist ein Urteil gefällt.
00:01:33: Dieser Mensch gehört zu den Guten der zu den Bösen Und natürlich möchten wir selbst gern auf der richtigen Seite stehen.
00:01:41: Auch religiöse Menschen sind davor nicht geschützt.
00:01:44: Vielleicht sind sie bis sogar besonders gefährdet Denn wer sich darum bemüht nach Gottes Geboten zu leben Der kann leicht anfangen auf andere Harb zu schauen auf Menschen, die anders leben, die andere Überzeugungen haben.
00:01:58: Dann setzt man selbst den hellen Hut auf und den anderen den
00:02:01: Dunkeln.".
00:02:03: Und genau davon erzählt Jesus in einer Geschichte.
00:02:06: Zwei Männer gehen in den Tempel um zu beten.
00:02:09: Der eine ist sein faires Seer – er isst Fromm, er kennt die Gebote und bemüht sich ernsthaft danach zu leben!
00:02:16: Er fastet, er spendet… er nimmt seinen Glauben sehr genau ….
00:02:20: der Andere ist ein Zöllner.
00:02:22: Zöllner war damals keine angesehenen Finanzbeamten.
00:02:26: Sie arbeiteten mit der römischen Besatzungsmacht zusammen und verlangten von den Menschen häufig mehr Geld als ihnen Zustand.
00:02:33: Viele von ihnen wurden reich, weil sie andere ausbeuteten.
00:02:37: Die Rollenschein also klar verteilt – Der Pharisäer trägt den hellen Hut, der Zöllnert den Schwarzen Und der Pharisär stellt sich im Tempel gut sichtbar hin und betet Gott.
00:02:48: ich danke dir das.
00:02:49: ich nicht so bin wie die anderen Menschen Räuber, Betrüger oder Eheprecher und auch nicht wie dieser Zöllner da.
00:02:58: Eigentlich sagt er nichts Falsches!
00:03:00: Er lebt tatsächlich anständig, er nimmt seinen Glauben ernst und er dank Gott sogar dafür – und doch stimmt etwas nicht.
00:03:08: Denn dieser Mann spricht zwar zu Gott aber eigentlich führt er ein Selbstgespräch.
00:03:13: Er zählt seine Leistung auf und um selbst möglichst gut dazustehen braucht er jemandem der schlechterst als
00:03:20: er.".
00:03:21: Sein Gebet lautet im Grunde, Gott sei her was für ein guter Mensch ich bin und zum Glück bin nicht wie der da.
00:03:28: Das kennen wir vielleicht auch!
00:03:30: Wir müssen nicht behaupten vollkommen zu sein.
00:03:33: Es genügt schon zu sagen Natürlich mache ich auch Fehler Aber so schlimm wie die anderen Bin ich doch nicht.
00:03:41: Der Zöllner dagegen bleibt ganz am Rand stehen.
00:03:44: Er wagt kaum den Kopf zu heben Und er schlägt sich an die Brust Gott sei mir sünderknädig.
00:03:52: Ein einziger Satz, kein Vergleich, keine Rechtfertigung, keine Ausrede.
00:03:58: Er sagt nicht – die anderen sind doch auch nicht besser!
00:04:01: Nein er steht mit leeren Händen da und Jesus sagt ausgerechnet über diesen Mann, er ging von Gott angenommen nach Hause, nicht der andere.
00:04:12: Das war damals eine ungeheuer Provokation Denn Jesus erklärt nicht den vorbildlichen religiösen Menschen zum Guten, sondern denen man dessen Leben offensichtlich nicht in Ordnung war.
00:04:25: Damit sagt Jesus nicht das Betrug und Ausbeutung bedeutungslos sind – er lobt auch den Zöllnern nicht für seinen bisherigen Lebenswandel!
00:04:33: Aber er sieht dass dieser Mensch ehrlich geworden ist….
00:04:37: Er versteckt sich nicht mehr hinter Geld Einfluss oder Ausreden ….
00:04:40: Er vertraut darauf der Gottesabarmen größer als seine
00:04:43: Schuld.".
00:04:45: Der Vaseer dagegen glaubt, Gott müsse ihn wegen seiner Leistung doch anerkennen.
00:04:51: Doch Liebe die man sich verdienen muss ist keine Liebe mehr und ein Glaube der nur als Leistung besteht wird irgendwann zu einem schweren Druck.
00:05:00: Ich muss noch besser werden, noch mehr leisten, noch vorbildlicher leben – ich darf keine Schwäche zeigen!
00:05:07: Und
00:05:07: v.a.,
00:05:08: niemand darf sehen wie es wirklich in mir
00:05:10: aussieht.".
00:05:11: Dieser Druck begegnet uns nicht nur in der Religion.
00:05:15: Auch im Beruf sollen wir immer leistungsfähig und belastbar sein.
00:05:18: In den sozialen Medien zeigt Menschen die schönsten Bilder ihres Lebens, die glückliche Familie, den gelungenen Urlaub das perfekte Essen oder den gepflegten Garten.
00:05:29: Kaum jemand zeigt die Einsamkeit am Abend, den Streit am Frühstückstisch, die Angst vor einer Untersuchung oder das Gefühl nicht mehr weiter zu wissen.
00:05:39: Wir tragen helle Hüter obwohl es in uns manchmal ziemlich dunkel
00:05:43: aussieht.".
00:05:45: Die Geschichte Jesus lädt uns ein, diesen Hut abzunehmen.
00:05:48: Vor Gott brauchen wir keine Rolle zu spielen.
00:05:51: Wir dürfen sagen – ich weiß nicht weiter!
00:05:54: Ich habe Fehler gemacht.
00:05:56: Ich habe einen Menschen verletzt und bin erschöpft.
00:05:58: Ich hab Angst.
00:06:00: Ich brauche
00:06:01: Hilfe.".
00:06:02: Das ist keine Schwäche denn dazu gehört Mut.
00:06:06: Demut hat mit Mut zu tun, mit dem Mut die Fassade fallen zu lassen.
00:06:12: Martin Luther hat es hingemäß gesagt Wirkliche Demut weiß gar nicht, dass sie demütig ist.
00:06:18: Sobald jemand stolz auf seine Bescheidenheit wird beginnt das Spiel von vorn.
00:06:24: Darum sollten wir auch nicht versuchen die Menschen unserer Umgebung in Fareser und Zöllner einzuteilen.
00:06:30: In jedem von uns steckt etwas von beiden.
00:06:33: Manchmal stehen wir ehrlich – und hilfsbedürftig vor Gott!
00:06:37: Und manchmal brauchen wir andere, auf die wir abschauen können, damit wir uns selber besser
00:06:41: fühlen.".
00:06:42: Die Botschaft Jesu lautet deshalb nicht einfach.
00:06:45: Du darfst nicht sein wie der Pfarrer.
00:06:47: sehr, sie lautet viel mehr – du brauchst nicht so zu sein!
00:06:52: Du musst nicht ständig beweisen dass du besser stärker, anständiger oder ehrlich höher bist als andere.
00:06:58: Du musst dir Gottes Liebe nicht verdienen, du darfst mit leeren Händen kommen.
00:07:04: Vielleicht ist das eine der befreiensten Erfahrungen des Glaubens.
00:07:07: Ich muss Gott nichts vorspielen ich darf die Maske abnehmen Ich darf verletzlich sein und ich weiß, ich werde nicht weggeschickt.
00:07:16: Gott liebt uns nicht erst wenn wir alle Fehler überwunden haben, erliebt uns mitten in unsere Unvollkommenheit.
00:07:23: Diese Liebe verharmlost nicht was wir falsch gemacht haben aber sie eröffnet einen neuen Anfang.
00:07:29: Vor Gott werden keine hellen und dunklen Hüte verteilt.
00:07:32: vor ihm stehen Menschen mit ihren Stärken und Schwächen Ihren Erfolgen ihrem Versagen ihres Sehnsucht und ihrer
00:07:40: Schuld.".
00:07:41: und vielleicht beginnt ein neues Leben genau dort, wo ein Mensch dem anderen nicht mehr sagt.
00:07:46: zum Glück bin ich besser als die Anderen sondern ehrlich bitten kann Gott sei mir knädig nimm mich an und hilf mir neu anzufangen.
00:07:57: Ein gesegnene Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.
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