Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (333) zum 9. Sonntag nach Trinitatis 2026
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00:00:00: An Nacht für den neunten Sonntag nach Trinitatis.
00:00:04: Früher kursierte beim Militär eine Art goldene Regel, melde dich niemals freiwillig!
00:00:11: Denn wer sich meldete wusste häufig noch gar nicht wozu – vielleicht ging es nur darum eine Kiste zu tragen?
00:00:18: Vielleicht wartete aber eine besonders unangenehme Aufgabe an der vordersten Front.
00:00:24: Also lieber dem Blick senken unauffällig bleiben und hoffen das jemand anders ausgewählt
00:00:29: wird.".
00:00:30: So ähnlich reagieren Menschen auch außerhalb der Armee.
00:00:34: Wenn Verantwortung verteilt wird im Verein, beim Elternbeirat oder im Kindergarten schauen plötzlich alles sehr beschäftigt aus.
00:00:44: Wenn jemand gebraucht wird fallen einem schnell gute Gründe ein was man selbst leider nicht infrage kommt.
00:00:50: Ich habe keine Zeit.
00:00:52: sagen wir dann ich kann das nicht oder dafür bin ich nicht die Richtige.
00:00:56: Oder es sollen andere machen die mehr Erfahrung haben.
00:01:01: Manchmal ist das durchaus vernünftig.
00:01:03: Niemand muss jede Aufgabe übernehmen, es gibt Grenzen die man achten sollte doch manchmal steckt hinter unseren Einwänden auch etwas anderes Die Angst nicht zu genügen, die Sorge Fehler zu machen, die Befürchtung den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden.
00:01:21: Von einem Menschen der sich auch nicht freiwillig meldet erzählt er heutige Text Der Prophet Yaramir hat sich seine Aufgabe nicht ausgesucht.
00:01:30: Er tränkt nicht nach vornem Gegenteil, als er hört was von ihm erwartet wird versucht es sich herauszureden.
00:01:38: Im ersten Kapitel des Jeremiah-Buches heißt es und das Herrn Wort geschah zu mir.
00:01:43: Ich kannte dich ehe ich dich im Mutterleib bereitete Und sonderte Dich aus eh Du von der Mutter geboren wurdest und bestellte dich zum Propheten über die Völker.
00:01:53: Ich aber sprach Ach Herr!
00:01:56: Ich tauge nichts zu predigen denn ich bin zu jung.
00:02:00: Der Herr besprach zu mir, sage nicht ich bin so jung, sondern du sollst gehen wohin ich dich sende und predigen alles was ich dir gebiete.
00:02:09: Fürchte dich nicht vor ihnen denn ich bin bei dir und will dich erraten.
00:02:13: sprich der
00:02:14: Herr.".
00:02:15: Und der Herr steckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu ihr, siehe ich lege meine Worte in deinen Mund Siehe, ich setze Dich heute über Völker und Königreiche, dass Du ausreißen und einreiß'n zur Störende verderben sollst und bauen und pflanzen.
00:02:34: Jeremia soll Prophet werden.
00:02:36: Dabei ist Dein Prophet in der Bibel nicht in erster Linie jemand, der die Zukunft vorhersagt.
00:02:42: Der Prophet ist ein Mensch, der genau hinsieht – einer, der ausspricht was andere lieber verschweigen würden, einer, wer die Wahrheit sagt auch wenn sie unbequem
00:02:51: ist.".
00:02:53: Jeremia soll sein Volk warnen, er soll Fehlentwicklung benennen und den Mächtigen widersprechen.
00:02:59: Das ist keine Aufgabe um die man sich reisen würde.
00:03:02: Und Jeremir weiß damit macht man sich nicht nur Freunde und seinen Einwand lautete ich bin doch viel zu jung.
00:03:10: Dahinter steckt vermutlich mehr als sein Lebensalter.
00:03:14: Er meint wahrscheinlich Ich habe nicht genug Erfahrung Ich kann nicht gut genug reden.
00:03:20: Niemand wird mich ernst nehmen, ich bin diese Aufgabe nicht gewachsen.
00:03:24: Vielleicht kennen wir auch solche Gedanken – ich bin zu alt oder ich bin so jung?
00:03:30: Ich bin nicht klug genug oder nicht stark genug!
00:03:33: Ich habe doch schon zu viele Fehler gemacht.
00:03:36: Andere können das sicher besser.
00:03:39: Wir vergleichen uns mit den anderen Stellen dabei vor allem fest was uns fehlt.
00:03:45: unserer Beliebtheit oder unsere Leistung.
00:03:50: Und wenn davon nicht genügt vorhanden zu sein scheint, ziehen wir uns lieber
00:03:54: zurück.".
00:03:55: Gott antwortet Jeremia bemerkenswert – er sagt Nicht!
00:03:59: Du hörst dich Jeremias, du bist hochbegabt und ein großartiger Regner.
00:04:04: Du wirst alle überzeugten.
00:04:07: Gott stärkt nicht zuerst Jeremius selbstbewusstsein, sondern er sagt etwas anderes.
00:04:13: Fürchte Dich nicht denn ich bin bei
00:04:15: Dir!".
00:04:16: Das ist der entscheidende Satz.
00:04:18: Jeremia soll sich nicht darauf verlassen, dass er immer die richtigen Worte findet.
00:04:22: Er soll sich auch nicht darauf verlassen, dass die Menschen ihm zustimmen!
00:04:26: Er soll es sich nicht einmal darauf verlasseln, das alles gut ausgehen wird.
00:04:30: Er sollte sich auf den Verlassen, der ihn sendet.
00:04:33: Damit stellt der Text eine Frage, die weit und unglaublich hinausgeht.
00:04:37: Worauf verlassen wir uns eigentlich?
00:04:40: Was trägt unser Leben?
00:04:42: Vielleicht verlassen sie uns auf Menschen, die uns nahestehen... Auf unserer Familie, auf Freunde und Kollegen.
00:04:49: Wir verlassen uns auf unsere Gesundheit.
00:04:52: Unsere Fähigkeiten, unser finanzielles Sicherheit – das ist alles wichtig!
00:04:57: Und doch wissen wir, dass alt das Brüchig werden kann.
00:05:01: Menschen können uns enttäuschen Beziehungen zerbrechen Die Gesundheit kann sich verändern Ein Arbeitsplatz kann verloren gehen Ansehen Erfolg können schneller verschwinden als man denkt.
00:05:14: Was bleibt dann?
00:05:16: Der Bibeltext antwortet, noch bevor du etwas leisten konntest warst Du schon erkannt und gewollt.
00:05:23: Ich kannte Dich.
00:05:24: echtliche Mutterleibe
00:05:25: bereitete.".
00:05:28: Das bedeutet nicht dass jeder Lebensweg bis ins kleinste Detail vorher bestimmt wäre aber es bedeutet der Wert eines Menschen beginnt nicht erst mit seiner Leistung.
00:05:38: Du musst mir Dein Lebensrecht nicht verdienen!
00:05:41: Du bist mehr als das was Du geschafft hast.
00:05:44: Du bist auch mehr als das, was dir misslungen ist.
00:05:47: Was zählt also im Leben?
00:05:50: Vielleicht nicht zuerst ob wir immer erfolgreich waren – nicht ob wir überall Anerkennung gefunden haben, nicht ob alle Aufgaben perfekt bewältigt haben.
00:05:59: Es zählt, ob wir bereit waren Verantwortung zu übernehmen Ob wir anderen beigestanden haben Ob wir den Mut hatten die Wahrheit zu sagen Ob wir etwas aufgebaut und gepflanzt haben von dem vielleicht erst andere profitieren werden.
00:06:15: Remia's Auftrag besteht nicht nur darin auszureisen und einzureisen.
00:06:19: Am Ende stehen zwar Anterworte, Bauen und Pflanzen.
00:06:24: Manchmal muss im Leben etwas eingerissen werden – eine falsche Gewissheit, eine zerstörerische Gewohnheit, vielleicht ein schweigen das Anderen schadet.
00:06:35: Doch Einreis ist niemals das letzte Ziel.
00:06:38: Am ende geht es um Bauen pflanzen und Vertrauen, dass neu wachsen kann!
00:06:43: um Beziehungen, die geheilt werden.
00:06:46: Um Hoffnung, die wieder Wurzeln schlägt.
00:06:48: Um Worte, die nicht verletzen sondern aufrichten.
00:06:52: Vielleicht wartet auch auf uns eine Aufgabe für die wir uns nicht freiwillig gemeldet hätten.
00:06:58: Ein schwieriges Gespräch?
00:07:00: Eine Entscheidung?
00:07:02: Die Verantwortung für einen anderen Menschen oder den Mut an einer Stelle nicht länger zu schweigen?
00:07:08: Dann müssen wir uns sich größer machen als wir es sind!
00:07:12: Wir dürfen unsere Unsicherheit zugeben.
00:07:15: Auch Jeremias durfte sagen, ich traue mir das nicht zu.
00:07:20: Aber wir müssen bei diesem Satz nicht stehen bleiben!
00:07:23: Denn Gottes Antwort lautet nicht du musst stärker
00:07:26: werden.".
00:07:27: Sie lautet Ich bin bei dir.
00:07:30: Darauf zur.
00:07:31: Vertrauen heißt nicht dass alle Angst verschwindet.
00:07:34: Es heißt trotz der Angst einen Schritt zu gehen Nicht weil wir alles können Sondern weil wir nicht alles allein tragen müssten.
00:07:43: Und vielleicht ist das am Ende die wichtigste Antwort auf die Frage, was im Leben zählt.
00:07:48: Nicht wie groß unser Kraft ist, sondern worauf und auf wen wir uns verlassen – nicht ob wir immer sicher sind, sondern ob wir den nächsten Schritt wagen!
00:07:59: Nicht ob wir uns freiwillig zu allem melden, aber ob wir bereit sind dort Verantwortung zu übernehmen, wo gerade unser Wort, unsere Hand oder unser Mitgefühl gebraucht
00:08:11: wird.".
00:08:12: Ein gesegnet Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.
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