Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (328) zum 4. Sonntag nach Trinitatis 2026

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00:00:00: Annacht für den vierten Sonntag nach Trinitatis.

00:00:04: Vielleicht kennen Sie das, kurz bevor man erst im Haus geht kommen noch ein paar gut gemeinde Ermahnungen vom Partner oder bei Kindern von Eltern und Großeltern.

00:00:15: Zieh eine Jacke an, fahr vorsichtig!

00:00:18: Ruf an wenn du angekommen bist oder in diesen Tagen vergiss nicht viel zu trinken?

00:00:25: Man weiß natürlich dass es liebevoll gemeint.

00:00:28: trotzdem denkt man manchmal Ja, ja ich weiß und jetzt lass mich doch bitte einfach losgehen.

00:00:34: Lebensweisheiten können richtig sein und uns trotzdem ein wenig nerven Vor allem dann wenn sie nach einer langen Liste von Dingen klingen die wir eigentlich längst wissen.

00:00:44: Auch der folgende Bibeltext beginnt mit solchen Aufforderungen.

00:00:48: Aber vielleicht steckt darin mehr als ein gut gemeinder Ratschlag Hören wir hin.

00:00:54: Vergeltet niemand böses mit Bösen.

00:00:56: Seid auf das gute Bedacht vor allen Menschen.

00:00:59: Ist es möglich, soviel an Euch liegt?

00:01:02: Haltet mit allen Menschen Frieden.

00:01:04: Recht Euch nicht selbst Geliebte!

00:01:07: Sondern gebt Raum dem Zorn Gottes denn es steht geschrieben Mir gehört die Rache Ich will vergelten.

00:01:13: spricht der Herr Viel mehr Wenn Dein Feind Hunger zu?

00:01:17: Speise ihn Wenn er Durstet zur Tränke ihn Denn wenn Du dies tust wirst du feure Kohlen auf sein Haupt sammeln.

00:01:26: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute.

00:01:33: Ein starker Satz vielleicht sogar stark!

00:01:36: Niemand böses mit bösen Vergelten oder mit allen Menschen Frieden halten dem Feind auch noch etwas zu essen geben?

00:01:45: Wer so redet erscheint doch den normalen Alltag nicht zu kennen Denn im Alltag geht es doch oft anders herum.

00:01:52: Jemand schreibt im Familienchat einen spitzen Kommentar Die erste Reaktion sofort zurück schreibt und zwar so, dass es sitzt.

00:02:01: Eine Kollegin lässt ihr Meeting durchblicken das eine gute Idee eigentlich von ihr stammt.

00:02:06: also wartet man auf die nächste Gelegenheit sie ebenfalls schlecht aussehen zu lassen.

00:02:12: oder jemand nimmt uns im Straßenverkehr die Vorfahrt.

00:02:16: Sekunden später fahren wir dichter auf Hupen oder Zeiten deutlich was wir von diesem Verhalten halten.

00:02:23: Das muss das immer ähnlich.

00:02:25: Du hast mir weh getan, also tue ich dir wehe.

00:02:28: Vielleicht etwas Weiner mit Worten oder auch mit Schweigen oder einem schlecht gelaunten Blick aber die Rechnung soll ausgeglichen

00:02:38: werden.".

00:02:40: Der biblische Satz stellt eine überraschende Frage – wer bestimmt in diesem Moment eigentlich meinen Verhalten?

00:02:46: Ich selbst oder der Mensch, der mich verletzt hat?

00:02:50: Wenn ich nur zurückschlage, hat doch der andere das Drehbuch geschrieben.

00:02:54: Er setzt den Ton und ich spiele mit.

00:02:58: Rache fühlt sich kurz nach Stärke an, in Wahrheit macht sie uns abhängig von dem was andere getan haben.

00:03:05: Paulus von dem diese Zeilen stammen kennt solche Spirale.

00:03:10: Er selbst hatte Menschen verfolgt weil sie anders glaubten als er.

00:03:14: Später änderte sich sein Leben radikal.

00:03:18: Entscheidend war für ihn nicht die Angst vor Strafe, entscheidend war die Erfahrung.

00:03:23: Ich werde trotz meiner Vergangenheit nicht abgeschrieben.

00:03:27: Selbst mir wird ein neuer Anfang

00:03:29: zugetraut.".

00:03:31: Man muss gar nicht religiös sein um zu verstehen welche Kraft darin liegt, fast jeder Mensch kennt die Sehnsucht nicht für immer auf den schlimmsten Fehler festgelegt zu werden wo jemand sagt ich weiß was passiert ist aber ich glaube dass du mehr bist als das.

00:03:49: aus so einem Vorschuss an Vertrauen kann Veränderung wachsen und nahe daraus entsteht die Idee dieses Textes.

00:03:57: Das Gute ist keine brave Höflichkeit, es ist der Versuch diesen tödlichen Kreislauf zu unterbrechen.

00:04:04: Ein Beispiel Nach einem angespannten Gespräch schickt der Kollege eine unnötig scharfe Mehl.

00:04:11: Man könnte alle in Kopie setzen und Punkt für Punkt zurück schießen.

00:04:15: oder mein Warte zehn Minuten ruft an und sagt Ich glaube wir sind gerade beide genervt.

00:04:21: Lass uns klären, worum es wirklich geht.

00:04:24: Und das ist nicht schwach!

00:04:26: Es braucht oft mehr Mut als eine schnellere Turkusche oder im Hausflur.

00:04:31: die Nachbarin beschwert sich zum dritten Mal über Geräusche diesmal ziemlich unfreundlich.

00:04:37: Statt die Tür zuzuschlagen fragt man wann genau ist es für sie besonders störend?

00:04:42: Vielleicht findet sich ja keine perfekte Lösung aber aus einem Gegner wird wieder ein Mensch mit konkreten Problemen.

00:04:50: Der Bibeltext nennt das, dem hungrigen Feind zu essen und im durstigen Fein zu trinken zu geben.

00:04:57: Die feurigen Kohlen auf seinem Haupt meinen dabei nicht heimliche Grausamkeit – gemeint ist die überraschende Wirkung des Gutes!

00:05:05: Ein Mensch rechnet mit Gegenabgriff und begegnet etwas, dass ihn beschämen nachdenklich machen oder verändern kann.

00:05:14: Allerdings steht dort auch ein wichtiger leicht überhörter Satz.

00:05:18: Soweit es möglich ist… und soweit es an Euch liegt, haltet Frieden.

00:05:23: Frieden lässt sich nicht allein herstellen – er braucht ein Gegenüber!

00:05:28: Wer bedroht, misshandelt oder dauerhaft erniedrigt wird muss das nicht freundlich hinnehmen.

00:05:36: Abstand klare Grenzen Hilfe von außen oder notfalls Polizei- oder Justiz widersprechen diesem Text nicht.

00:05:44: Auf Rache zu verzichten heißt nicht unrecht zu

00:05:47: verschweigen.".

00:05:49: Gerechtigkeit schützt Menschen.

00:05:51: Hache will, dass der Andere leidet!

00:05:54: Vielleicht ist das ja die alltagsbedeutliche Bedeutung von Frieden – nicht einfach alle in Ruhe lassen sondern nach einem gerechten Heilin miteinander zu suchen ohne sich einzubilden alles allein lösen zu können.

00:06:09: Das wird nicht immer gelingen.

00:06:11: Manchmal schreiben wir die wütende Nachricht doch Manchmal fällt uns die gute Antwort, das wissen wir erst stunden später ein was man hätte sagen sollen.

00:06:21: Christian und Christen sind deshalb keine besseren Menschen.

00:06:25: Der Glaube behauptet etwas anderes.

00:06:28: Menschen müssen nicht so bleiben wie sie gerade sind.

00:06:31: Ein neuer Anfang ist möglich auch nach dem nächsten Misslungenversuch.

00:06:36: Vielleicht nehmen Sie heute eine kleine Frage mit.

00:06:40: Wenn mich jemand verletzt wer soll dann den nächsten Schritt bestimmen?

00:06:44: die Verletzung oder ich.

00:06:47: Vielleicht heißt das Gute heute eine Nachricht nicht sofort abzuschicken, ein Gespräch zu suchen, eine Grenze ruhig auszusprechen oder einen Menschen den wir längst auf eine Rolle festgelegt haben noch einmal anders zu begegnen.

00:07:03: Das Böse durch das gute überwinden – das klingt groß und meistens beginnt es erst mal erstaunlich klein.

00:07:12: aber genau so wird ein Kreislauf unterbrochen.

00:07:15: Ein Mensch entscheidet, dass die Verletzung nicht das letzte Wort bekommt.

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