Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (327) zum 3. Sonntag nach Trinitatis 2026

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00:00:00: Annacht für den dritten Sonntag nach Trinitatis.

00:00:04: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

00:00:09: Dieser Satz wird vielen klugen Köpfen zugeschrieben – sicher ist vor allem er stimmt!

00:00:15: Denn mit ihm wird ein Dilemma beschrieben das wir alle kennen Wir möchten gern wissen was kommt.

00:00:20: Wie wird es weitergehen?

00:00:21: Mit der Welt, mit der Wirtschaft, mit dem Klima, mit meiner Familie, mit mir selbst?

00:00:27: Gerade in diesen unsicheren Zeiten hören wir viele Vorhersagen.

00:00:32: Experten und Experten sprechen von riesigen Chancen, Krisen, Erholung, Absturz oder Neuanfang.

00:00:40: Wir sind unzufrieden und wünschen uns eigentlich etwas anders eine Sicherheit Und manches bleibt vor allem hängen was sehr dramatisch klingt.

00:00:53: Wenn man ein paar Jahre später zurückschaut merkt man es kam häufig anders.

00:00:58: Zum Glück blieb manche Katastrophe aus, manche Warnung war berechtigt.

00:01:03: Manches wurde völlig übersehen – die Zukunft lässt sich eben nicht einfach berechnen.

00:01:09: und trotzdem brauchen wir Orientierung!

00:01:12: Nicht unbedingt weil wir jedes Detail der Zukunft kennen müssen sondern weil wir wissen möchten.

00:01:18: worauf kann ich mich verlassen wenn ich selbst nicht weiß was kommt?

00:01:23: Genau in dieser Stelle kommt ein sehr alter Text ins Spiel.

00:01:27: Er stammt aus dem Alten Testament vom Propheten Micha.

00:01:32: Mehr als zweitausend Fünfhundert Jahre ist der Alt und trotzdem erstaunlich aktuell.

00:01:37: Propheten, das waren damals keine Wahrsage am heutigen Sinn – sie saßen nicht mit der Kristallkugel da oder sagten Lottozahlen voraus!

00:01:47: Propheten waren Menschen die Gegenwart sehr genau angeschaut hatten.

00:01:51: Sie sahen wer etwas schief lief Machtmissbrauch, soziale Ungerechtigkeit Reichtum auf Kosten der Armen – große Worte ohne Verantwortung.

00:02:02: Und sie sagten, so kann es nicht

00:02:04: weitergehen.".

00:02:05: Das war unbequem!

00:02:07: Denn echte Propheten sagen den Mächtigen eben nicht einfach was Sie hören wollen.

00:02:12: Sie waren keine Schmeichler.

00:02:14: Sie hielten den Menschen einen Spiegel vor und erinnerten daran ein gutes Leben entsteht nicht dadurch das jeder nur an sich denkt….

00:02:22: Ein gutes Leben braucht Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und die Bereitschaft umzukehren.

00:02:30: Michael war so ein Prophet.

00:02:33: Er sprach sehr hart über die Ungerechtigkeit aber er blieb nicht bei Anklage und Untergang stehen – er sprach auch von Hoffnung!

00:02:41: Von Gott der Nicht immer zornig bleibt, von Gott der Schuld nicht endlos nachträgt, vom Gott der Menschen einen neuen Anfang

00:02:49: schenkt.".

00:02:50: Und das ist der Text für heute von ihm.

00:02:53: Wo ist solch ein Gott wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils?

00:03:02: Der an seinem Sonn nicht ewig festeilt denn er hat gefallen an Knade!

00:03:07: Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und all unser Sünden in die Tiefen des Meeres

00:03:14: werfen.".

00:03:16: Du hast Jakob die Treue erhalten und Abraham Knaade erweisen, wie du unseren Vätern geschworen hast.

00:03:23: Das ist ein starker Text!

00:03:25: Er scheint zum ersten sehr alt, sehr weit weg.

00:03:29: Worte wie Sünde, Schuld, Gnade – das sind nicht unbedingt Alltagsworte.

00:03:35: Aber die Erfahrungen dahinter kennen wir alle.

00:03:38: Wir kennen Schuld, nicht nur im juristischen Sinn sondern dieses Gefühl ich habe etwas falsch

00:03:44: gemacht.".

00:03:45: Ich habe jemanden verletzt, ich bin hinter dem zurückgeblieben was ich eigentlich für richtig halte.

00:03:51: Oder ich habe geschwiegen wo ich hätte reden sollen.

00:03:55: Ich habe geredet obwohl Schweigen besser gewesen wären.

00:03:58: Auch ich war unfair feige und

00:04:00: gleichgültig.".

00:04:02: Heute passiert das auch sehr schnell – ein falscher Satz?

00:04:07: Ein unbedachter Post?

00:04:09: Ein Gerücht?

00:04:10: Ein Foto eine alte Geschichte?

00:04:12: Und plötzlich wird ein Mensch abgestempelt.

00:04:15: In den sozialen Medien kann das gnadenlos sein, einer teilt etwas kommentiert und später wird klar dass es komplizierter war oder sogar falsch.

00:04:26: Und das Netz ist vergisst nicht.

00:04:29: Aber nicht nur online sind wir so.

00:04:31: auch im privaten können wir Menschen festnageln auf was sie einmal getan haben.

00:04:36: der ist ebenso.

00:04:38: die hat doch damals der kann man nicht mehr trauen.

00:04:42: Manchmal ist Vorsicht berechtigt, nicht alles lässt sich einfach wegwischen.

00:04:47: Verletzungen sind real und unrecht muss benannt werden.

00:04:51: Und doch ist die Frage – gibt es mehr als das Urteil?

00:04:55: Gibt es den Fehler?

00:04:57: Ja, gibt es die Möglichkeit sich zu verändern?

00:05:01: Der Prophet Michael sagt – bei Gott gilt das!

00:05:04: Gott ist nicht der, der Menschen immer auf ihre schlimmsten Momente

00:05:07: reduziert.".

00:05:09: Er ist kein Buchhalter, der jede Verfehlung sammelt und bei passender Gelegenheit wieder vorholt.

00:05:15: Micha beschreibt Gott anders als einen, der vergibt, einem, der sich erbarmt, einer, der Schuld unter die Füße tritt.

00:05:24: Und an dieses wunderbare Bild – Gott wirft die Sünden in die Tiefe des Meeres!

00:05:30: Das heißt nicht es war alles egal.

00:05:33: Es heißt nicht Verantwortung spielt keine Rolle oder Opfer sollen einfach vergessen was ihnen angetan wurde.

00:05:40: Aber es heißt eben, Schuld wird nicht das letzte Wort

00:05:44: haben.".

00:05:46: Das ist eine wichtige Botschaft.

00:05:48: der Mensch ist mehr als sein Versagen, mehr als seine Vergangenheit vielmehr als das was andere über ihn sagen manchmal sogar das was er selbst nicht an sich erträgt.

00:06:00: An diesem Sonntag wird auch immer in den Kirchen die Geschichten vom verlorenen Sohn gelesen.

00:06:06: Wir kennen, dass alle.

00:06:08: der junge Mann lässt sein Erbe auszahlen.

00:06:11: Geht weg verprasst alles und landet ganz unten.

00:06:15: Irgendwann kehrt er zurück – nicht stolz nicht mit Ausreden sondern mit der Einsicht ….

00:06:21: Ich habe es

00:06:21: vermasselt.".

00:06:22: Und der Vater?

00:06:24: Er demüchtigt ihn nicht!

00:06:26: Er macht keine lange Abrechnung….

00:06:28: Er läuft ihm entgegen….

00:06:30: Er nimmt ihn in die Arme und feiert seine Rückkehr.

00:06:33: Das ist keine billige Vergebung.

00:06:35: Das ist Freude darüber, dass ein Mensch umkehrt.

00:06:39: Dass jemand nicht verloren bleibt das Beziehung wieder möglich wird.

00:06:44: Und wir kennen auch in der Geschichte den älteren Bruder.

00:06:47: Der findet das ungerecht.

00:06:49: Er war immer da er war treu zuverlässig und fleißig.

00:06:53: Und der andere der bekommt jetzt einen fest.

00:06:56: Seine Reaktion ist verständlich.

00:06:59: Vielleicht kennen wir das auch.

00:07:01: Da hat jemand missgebaut und bekommt eine zweite Chance.

00:07:04: Und dann regt sich bei uns schnell der Gedanke, oh was ist mit mir?

00:07:09: Mir dank niemand und ich habe immer alles richtig gemacht.

00:07:12: Und der Vater in dem Gleichnis antwortet sinngemäß du bist doch immer bei mir aber dein Bruder war verloren und ist

00:07:20: wiedergefunden.".

00:07:22: Das ist die Logik der Gnade.

00:07:25: Die rechnet nicht kleinlich sie fragt nicht zuerst hat er das auch verdient?

00:07:30: Sie fragt wie kann Leben wieder möglich werden?

00:07:34: Und genau das verbindet die Geschichte vom verlorenen Sohn mit dem Text des Propheten Micha.

00:07:40: Gott hält nicht fest an seinem Zorn, er hat gefallen an Knade.

00:07:45: Das ist eine entlastene Botschaft – besonders für alle Menschen, die auch mit sich selbst hart ins Gericht gehen.

00:07:52: Für Menschen ihre alten Fehler mit sicher herum tragen.

00:07:56: Micha sagt «Bei Gott ist ein Neuanfang möglich».

00:08:00: Aber diese Botschaft hat eine zweite Seite!

00:08:03: Wenn ich selbst davon lebe, dass mir vergeben wird, dann verändert das auch meinen Blick auf andere.

00:08:09: Dann kann nicht ständig Barmherzigkeit verlangen und gleichzeitig unbarmherzig mit anderen

00:08:15: umgehen.".

00:08:16: Das ist oft schwer – wir wissen das.

00:08:18: Vergeben ist nicht einfach!

00:08:20: Manchmal braucht es Zeit, manchmal braucht es Abstand Und Vergebung heißt Nicht sich alles gefallen zu lassen.

00:08:28: Nach Versöhnung kann man nicht erzwingen Aber vielleicht beginnt es damit, dass wir Menschen nicht immer auf ihre Schuld reduzieren.

00:08:37: Dass wir vorsichtig werden mit schnellen Urteilen.

00:08:40: Das wir nicht jedes Gerücht weitergeben und das wir anderen die Möglichkeit lassen anders zu werden.

00:08:47: Vielleicht beginnt ist damit, daß wir uns selbst nicht aufgeben.

00:08:51: Gott kommt nicht zuerst mit einer Drohung!

00:08:54: Er sagt Nicht Ändere dich, sonst bist du für mich erledigt.

00:08:58: Sondern zuerst schenkt er

00:08:59: Gnade.".

00:09:01: Er öffnet die Möglichkeit zurückkehrt und sagt, du bist nicht verloren.

00:09:06: Komm zurück!

00:09:07: Ja fang neu an Und als diese erfahren kann etwas wachsen Verantwortung Veränderung Versöhnung vielleicht sogar Freude.

00:09:17: Prognosen sind schwierig besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

00:09:22: Was morgen wirtschaftlich politisch oder persönlich geschieht wissen wir nicht genau Aber Micha erinnert an etwas, das verlässlicher ist als jede Prognose.

00:09:32: Gottes Barmherzigkeit ist nicht aufgebraucht.

00:09:36: Seine Liebe ist nicht gestern stehen geblieben und seine Vergebung ist nicht nur eine alte Geschichte – sie ist neu an jedem Tag!

00:09:46: Ein gesegnen Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.

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