Sup. Andreas Berger: Podcast-Andacht (326) zum 2. Sonntag nach Trinitatis 2026
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00:00:01: Annacht für den zweiten Sonntag nach Trinitatis.
00:00:06: In vielen Kirchen gibt es im Altar Bilder, Wandferse oder Inschriften die einem sofort ins Auge fallen.
00:00:16: Manchmal ist das ein großes Christusbild über dem Altar, manchmal ein Bibelwort an der Wand und oft bleibt es einen in Erinnerung.
00:00:27: Ein Bild, das in vielen Kirchen vorkommt vor allem die zu Ende des neunzehnt Jahrhunderts errichtet wurden zeigt Christus mit weit geöffneten Armen.
00:00:38: Er steht da nicht drohend und streng nicht abweisen sondern einladend offen und zugewandt.
00:00:46: Dieses Bild passt sehr gut zu einem Satz aus dem Matthäus Evangelium der lautet Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.
00:00:56: Ich will euch
00:00:56: erquicken.".
00:00:58: Vielleicht klingt dieses Wort auf den ersten Blick etwas altmodisch und kirchlich.
00:01:04: Mühselich und Beladen – so reden wir heute im Alltag kaum noch!
00:01:08: Unerquicken ist auch kein Wort das man an der Supermarktkasse oder dem Büro hört.
00:01:14: Aber wenn man es übersetzt in unserer Sprache dann heißt es ungefähr... Kommt Her zu mir, die Ihr erschöpft seid….
00:01:21: kommt zu mir ihr, die ihr zu viel mit euch herumtragt.
00:01:26: Kommt alle denen das Leben so schwer geworden ist – ich will Euch aufatmen
00:01:31: lassen.".
00:01:33: Und damit sind wir plötzlich mitten im Leben!
00:01:36: Denn wer kennt nicht dieses Gefühl, viel tragen zu müssen?
00:01:40: Verantwortung, Sorgen, Schuld… aber auch Enttäuschungen, Krankheit und Trauer … und vor allem Angst vor der Zukunft….
00:01:49: Manchmal auch einfach die Müdigkeit des Alltags.
00:01:53: Man funktioniert, man macht weiter und sagt es muss ja gehen.
00:01:58: Und wenn jemand fragt wie geht es dir?
00:02:01: Antworten viele automatisch danke gut – auch dann wenn es gar nicht stimmt.
00:02:06: Jesus hat's ist anders!
00:02:09: Es ist nicht wie eine höfliche Floskel.
00:02:11: Ist keine kleine Begrüßung.
00:02:13: zwischen Tür und Angel ergeht tiefer.
00:02:16: Er fragt nicht nach der Fassade, er meint nicht das Lächeln dass wir uns angewöhnt haben.
00:02:21: Er spricht den Menschen dahinter an.
00:02:24: Kommt her zu mir.
00:02:25: alle die ihr mühselig und beladen seid.
00:02:27: Alle!
00:02:28: Nicht nur die Frommen, nicht nur die die genau wissen wie man betet und glaubt.
00:02:34: Nicht nur sie die ihr Leben im Griff haben sondern alle die belastet sind.
00:02:39: Vielleicht ist das der Grund warm Bilder von Christus mit offenen Armen so stark wirken können?
00:02:46: Sie erinnern uns an eine Erfahrung, die viele Menschen ganz früh im Leben gemacht haben – offene Arme.
00:02:53: Als Kind sind wir vielleicht in die Arme der Mutter oder des Vaters gelaufen aus Freude.
00:02:58: Manchmal auch als Angst wegen einem aufgeschlagenen Knie mit Tränen im Gesicht oder einfach weil wir nur nah sein wollten und gehalten.
00:03:10: Offene Armes sagen ohne vier Worte «Du darfst kommen».
00:03:14: Du musst dich nicht erklären, du wirst nicht weggeschickt.
00:03:18: Auch später kennen wir solche Momente – eine Umarmung nach langer Zeit ein Wiedersehen, Trost in schwerer Stunde die offenen Arme eines Menschen bei dem er nicht für einen Moment stark sein muss.
00:03:33: Aber was ist wenn niemand da ist?
00:03:35: Wenn man allein isst?
00:03:36: Wenn der Mensch fehlt den man alles sagen konnte?
00:03:39: Wenn Krankheit das Leben enger
00:03:41: macht?"?
00:03:42: wenn Schuld oder Trauer schwer auf einem liegen und die eigenen Kräfte nachlassen.
00:03:48: Und wenn man merkt, ich kann mich nicht selbst retten – nicht selbst trösten, nicht selbst
00:03:54: aufrichten."
00:03:55: Dann sagt der Glaube Gottes Arme bleiben offen!
00:03:59: Das ist keine einfache Vertröstung.
00:04:02: Es bedeutet nicht dass alles schwerer plötzlich verschwindet.
00:04:05: Jesus verspricht nicht kommt her zu mir und alle Probleme lösen sich sofort
00:04:11: auf!".
00:04:12: Aber er verspricht Nähe, Erverspricht Erquickung als neue Kraft aufatmen einem Ort wo man ehrlich zu sich selbst sein darf.
00:04:23: Das ist vielleicht eine der tiefsten Botschaften des christlichen Glaubens vor Gott.
00:04:28: muss ich nicht so tun als wäre alles in Ordnung.
00:04:32: Ich darf kommen mit meiner Müdigkeit meinen Fehler meine Angst meiner Wut und Trauer Mit dem was ich anderen kaum sagen kann Vielleicht nicht einmal mir selbst.
00:04:44: Jesus sagt nicht, kommt her zu mir wenn ihr alles geregelt habt.
00:04:48: Er sagt nicht Kommt wenn ihr stark genug seid!
00:04:51: Er sagt Nicht Kommt erst wenn ihr bewiesen habt dass ihr würdig seid.
00:04:56: Er Sagt Kommt hierher zu mir alle die er mühselig und beladen seid.
00:05:02: Und das ist etwas anders als die vielen Stimmen die wir sonst hören Denn dann sagt die Welt oft Sei Stark sei erfolgreich Reist dich zusammen, zeig keine Schwäche.
00:05:14: Und Jesus sagt Du darfst schwach sein, du darfst müde sein, tu darfst Hilfe brauchen und gerade darum ist seine Einleitung glaubwürdig.
00:05:25: Wenn irgendein Mensch sagen würde kommt alle zu mir ich gebe euch Ruhe wären wir wahrscheinlich skeptisch.
00:05:31: bei Politikerinnen Managern Influencern oder Menschen mit großen Geltungsbedürfnis würden wir fragen Was will er damit erreichen?
00:05:40: Geht es wirklich um mich oder nur um Aufmerksamkeit, Macht und
00:05:45: Zustimmung?".
00:05:47: Bei Jesus ist das anders.
00:05:49: Er sucht nicht den eigenen Vorteil – er steigt nicht auf Kosten anderer nach oben.
00:05:54: Er geht zu denen die oft übersehen werden — kranke, schuldige, traurige, gescheiterte!
00:06:02: Und er stellt sich an ihre Seite, er macht sich zum Bruder der mühseligen und
00:06:06: beladenen.".
00:06:08: und er geht diesen Weg bis zum Kreuz.
00:06:11: Das Kreuz ist im christlichen Glauben nicht nur ein Zeichen des Leitens und des Todes, es ist auch ein Zeichn dafür wie weit Gottes Liebe geht.
00:06:21: Gott bleibt nicht fern, erkennen Dunkelheit Schmerz Einsamkeit und Tod Nicht noch von außen.
00:06:28: In Jesus geht Gott selbst in diese Tiefe hinein.
00:06:32: Darum dürfen Menschen bis heute sagen Ich bin mit meinem Leid nicht allein Ich falle nichts in nichts, denn da sind offene
00:06:41: Arme.".
00:06:43: Vielleicht ist das der Sinn solcher mutmachender Bilder und Sprüche in unseren Kirchen.
00:06:49: Gerade dieser Spruch finden wir oft an der Altarwand.
00:06:52: Sie wollen nicht nur schwücken – solche Sprüchen wollen etwas in uns ansprechen!
00:06:58: Und unser Innern du musst nicht alles allein tragen ….
00:07:03: vielleicht ist es wichtig für alle Menschen auch die nur zufällig in eine Kirche kommen?
00:07:09: Für den der lange nicht mehr gebetet hat, für den er gar nichts weiß ob er glauben kann und für die die einfach nur einen stillen Ort sucht.
00:07:18: Und dann steht dieser Satz kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seid ich will euch acquicken!
00:07:26: Man muss nicht alles verstanden haben um sich davon berühren zu lassen.
00:07:30: Man muss kein fertiger Christenmensch sein man muss nicht die richtigen Worte finden.
00:07:36: vielleicht reift zu Anfang ein stiller Gedanke Gott, wenn es sich gibt dann sieh mich an.
00:07:42: Siehe was ich trage, hilft mir wieder
00:07:44: aufzuatmen.".
00:07:46: Der Glaube beginnt oft nicht mit großen Antworten.
00:07:50: Manchmal beginnt er auch mit Sehnsucht, Mit Müdigkeit und einem leisen Wunsch nach Trost – und mit dem Gefühl Ich brauche einen Ort, an dem ich ehrlich sein darf.
00:08:01: Jesus öffnet dafür seine Arme!
00:08:04: Und vielleicht ist das die Botschaft, die wir brauchen, die unser Kirchen aussprechen?
00:08:09: Hier ist ein Ort, an dem du nicht perfekt sein musst.
00:08:13: Hier darfst Du Lasten ablegen, hier darfst du Dich gehalten
00:08:16: wissen.".
00:08:18: Christus steht mit offenen Armen da – Nicht nur für die, die schon alles glauben können, nicht nur für sie, die scheinbar stark sind, sondern auch für alle, die mühselig und beladen seid.
00:08:30: Also auch für uns!
00:08:32: Und diese Zusage bleibt….
00:08:34: Kommt her zu mir alle, dir mühsällig und Beladen seit'.
00:08:38: ich will Euch
00:08:38: acquicken!".
00:08:40: Ein gesegnetes Sonntag wünscht Ihnen Ihr Superintendent Andreas Berger.
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